Existenzbedürfnisse als Ressource sehen

In einem Industrieland wie Deutschland, wissen wir natürlich, was Existenzbedürfnisse sind und warum es so definiert wurde. Bedürfnisse, die befriedigt werden müssen, damit wir existieren können. Natürlich springt der erste Gedanke zu den physiologischen Bedürfnissen: Sauerstoff, Wasser, Nahrung, Homöostase (Schutz vor Witterung, Behausung), Schlaf. Die Maslowsche Bedürfnispyramide setzt auch genau diese physiologischen Grundbedürfnisse als Basis in das Pyramidenschaubild ein. Übrigens ist bei der Betrachtung der Maslowschen Pyramide nicht zu vergessen, dass sie nicht das reale Verhalten von Bedürftigen darstellt, sondern eine Empfehlung für diejenigen ist, die sich um sie kümmern. Für den investigativen Fotografen, der im Kriegsgebiet Aufnahmen anfertigt, steht das Thema Sicherheit offensichtlich nicht so weit vorne. Außerdem stellt dieses Schema eine westlich-industrielle und reduktionistische Sichtweise dar, die im Grunde eher wie ein Mandala ausgemalt werden sollte, als im Unterricht ewig durchgekaut zu werden – als Grundlage geht sie aber klar. Aber um die veraltete Lehrinhaltsgestaltung in unserem Bildungssystem soll es hier nicht gehen.

Zum physischen Überleben benötigen wir also ein Existenzminimum von Luft, Wasser, Nahrung, Behausung und Schlaf oder wie die freie soziale Marktwirtschaft 2020 in Deutschland sagen würde: „1.178,59 EUR netto pro Monat“.

Wenige kommen in ihrem Leben an den Punkt, wo sie mit der deutschen Definition von Existenzminimum (ALG II, etc.) persönlich in Berührung kommen oder gar mit einem tatsächlichen Existenzminimum, wie es in Armutsländer der Fall ist.

Wir haben Grundbedürfnisse auf eine edlere Ebene gehoben, wir Essen z.B. nicht nur um unseren Körper Energie zu zuführen, sondern zusätzlich zum Vergnügen, um kulinarische Vielfalten zu testen, aus langweile und aus vielen anderen Gründen.

Es gibt aber auch Phasen im Leben, wo es lästig ist, dass unser Körper nur funktioniert, wenn wir diese Bedürfnisse erfüllen. Wer schonmal einen Teil der Computerspielereihe „Die Sims“ gespielt hat, weiß wie lästig das Schlaf-Bedürfnis des Spielecharakters sein kann, wenn man lieber noch seine künstlerischen Fähigkeiten steigern möchte. Das alleinerziehende Elternteil mit Vollzeit- und Nebenjob ist ein Standard-Dauer-Beispiel, wenn es um Überbelastung geht. Ist man in der Situation oder versucht sich hineinzuversetzen, kann man erahnen, dass Essen, Trinken, Schlafen und die Wohnung Zeitfresser sein können.

Als ich mit 19 Jahren neben Vollzeitjob, Freundin, Freunde, Familie und Partyleben noch montags bis freitags von 18 – 22 Uhr am Abendgymnasium das Abitur nachholte, waren diese Grundbedürfnisse tatsächlich teilweise lästig. Jede Minute war kostbar. Wenn ich die Uhr sah, war 12:31 nicht halb 1 sondern kurz nach halb 1 oder 17:43 war nicht viertel vor 6 sondern kurz vor viertel vor sechs. Und es gab Unterschiede in der Bedeutung von „jetzt“ und „jetzt, jetzt“ sowie „gleich“ und „gleich, gleich“.

Nach kurzer Zeit änderte sich meine Denkweise und Nahrung wurde bewusst zum Antriebsstoff. Das ging einfach zu lösen: Eine fertige Gemüse- oder Nudelpfanne aus der Gefriertruhe musste nur 8 Minuten in der Pfanne erhitzt werden und eine Mahlzeit war zubereitet oder man fährt zum Mittagessen zu seinen Eltern.

Irgendwo hatte ich gelesen, dass man mehr trinkt, wenn man aus Gläsern statt aus der Flaschen trinkt. Ein Glas zur Wasserflasche und man geriet weniger in die „Oh man ich kriege Kopfschmerzen, ich habe vergessen zu trinken – Lage“.

Naja, Atmen habe ich tatsächlich ohne weiteres hingekriegt. Zur Realschulzeit war schließlich schlafen mein Hobby und Atmen mein Talent.

Achja Schlafen bei Zeitmangel… Wer kennt es nicht, man ist seit 6 Uhr auf den Beinen, wenn es gut läuft ist um 17:00 Uhr Feierabend, man fährt nach Hause, isst eine Kleinigkeit, zieht sich um und fährt zu 18 Uhr zur Abendschule oder man fährt direkt im Dienstanzug hin. Um 22 Uhr ist Schulschluss – ab nach Hause, kurz noch Hausaufgaben erledigen, danach noch eine Serie schauen und schwupp ist bald Mitternacht. Jetzt schnell alles aus machen und schlafen, sodass man mindestens noch 6-7 Stunden schlafen kann.

Und dann klopft es… Der Kopf fragt mich rhetorisch, ob ich noch wach bin, da es mir noch Denkanstöße geben möchte. Ein für viele bekanntes Phänomen; 2017 hat es auch die Meme-Welt erreicht. Googlet einfach „Are you going to sleep? – Meme“. Die Gründe sind einfach psychologisch und wer es wild haben möchte philosophisch erklärbar. Kant stellt z.B. fest, dass Gedanken manchmal frei vom Willen erscheinen, dass eine Art beseelte Spontanität der Gedanken entstehen kann. Wie löst man dieses Problem, wenn die Schlafzeit knapp ist und man eigentlich keine Zeit für beseelte Spontanität der Gedanken hat. Das Zauberwort ist „Alohomora“. Nein. Natürlich ist es „Akzeptanz“. Wenn das Liegen nicht mehr bedeutet „ich muss jetzt einschlafen“ sondern einfach erstmal nur „ausruhen“, dann räumt man den Gedanken, die einen wach halten, Platz ein, man akzeptiert sie, weil das eigene Ziel „das Ausruhen“ davon nicht behindert wird.

Wasser, Nahrung und Schlaf sind Grundbedürfnisse, da sie notwendig sind, sind sie wichtige Grundressourcen, die immer als allererstes optimiert werden müssen, um die Leistungsfähigkeit zu steigern.

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