Das Bisoziativgesetz

Ok, zugegeben, das Bisoziativgesetzt gibt es nicht. Wer gleich das Assoziativgesetzt aus dem Matheunterricht assoziiert hat, wird Spaß an dem Begriff und der Bedeutung der Bisoziation entwickeln. Arthur Koestler kreierte in seinem Werk „The Act of Creation“ diesen Begriff und machte Kreativität logisch.

Sprachwissenschaftlich beschreibt der Duden Kreativität als „sprachliche Kompetenz verbundene Fähigkeiten, neue und nie gehörte Sätze zu bilden und zu verstehen“. Die Schlüsselwörter sind „nie gehört“. Wir sind nicht in der Lage nicht zu denken. „Denke nicht an einen rosa Elefanten“, diesen Satz hat vermutlicher jeder schon einmal gehört. Das Rosa-Elefanten-Prinzip zeigt, dass der Mensch nicht in der Lage ist nicht zu denken. Wir können nicht nicht denken und wir können nicht nicht assoziieren. „Litotes!“ Nein das bedeutet nicht „Prost“ auf Latein, es ist das Stilmittel für die doppelte Verneinung #prosit. Humor ist subjektiv, das zeigt nicht nur der vorherige Satz, sondern auch viele Situationen im Alltag, sei es ein Witz, woraufhin wir mit „das war nicht lustig“ antworteten oder einfach eine Beobachtung, die uns lauthals lachen lässt.

Was wir lustig, spannend oder kreativ finden sind Elemente, die meistens nicht rational, unlogisch oder verrückt verknüpft sind.

Vera Birkenbihl nutzt in Ihrem Buch „ABC-Kreativ© Techniken zur kreativen Problemlösung“ einen Verblüffungsindex – von 0% bis 100%. Der Index liegt bei null, wenn etwas zu 100 % unseren Erwartungen entspricht. Es ist dann langweilig. Die meisten Witze bauen auf diesem Phänomen auf. Natürlich spielt die Präsentation des Witzes und die Szenerie eine große Rolle, ob man lacht oder nicht. Gelesene Witze haben es daher in der Regel schwer:

„Wieso wird im Winter so wenig auf Baustellen gearbeitet? – Bei Frost platzen doch die Bierflaschen!“

Was passiert hier? Wie lesen das Setting und assoziieren automatisch, schnell und leicht unbewusst für uns logische erwartbare Verknüpfungen. Z.b., dass der Frost im Winter die Verarbeitung von Baumaterialien blockiert oder erschwert. Natürlich kann man Bier mit Bauarbeitern verbinden, jedoch ist diese Verbindung auf dem Verblüffungsindex zu weit von der null entfernt, als das wir mit unsere Assoziationskette vor dem Lesen der Auflösung dort ankommen. Je länger die Zeit zwischen Setting und Auflösung, desto weiter entfernen wir uns von der 0%-Marke, jedoch werden wir aus dem Stand nie die hohen Prozente erreichen – dazu braucht man Techniken aus der Bisoziation, die gleich näher vorgestellt werden.

„Es gibt genau drei Dinge, von denen ich mir immer zu viel mache: Hoffnung, Gedanken und Nudeln.“

Bei diesem Witz wird es noch klarer. Eine Assoziationskette mit den Wörtern „zu viel Hoffnung und zu viele Gedanken“ führt bei den meisten nie zu einer Fortführung mit „zu viele Nudeln“. Diese stark unerwartete Ergänzung und logisch unpassendes drittes Beispiel wird nicht in der Aufzählung erwartet. Mit Hilfe der Bisoziation können wir Gedanken verbinden, die vorher nicht bzw. nie zusammen waren. Einen Witz durch Bisoziation erschaffen. Erwartet jetzt nicht den Witz des Jahrzehnts, denn ich wende die Technik jetzt, während ich diesen Blog-Artikel verfasse, einfach direkt an:

Schritt 1: Zwei Beliebige Begriffe aufschreiben.

Ich habe dazu „Zufallswort Generator“ gegoogelt, den ersten Link angeklickt und das erste generierte Wort genommen „Tornado“. Dann habe ich „Nachrichten gegooglet und das präsenteste Wort aus der ersten Schlagzeile genommen „Impfstoff“.

Schritt 2: Assoziieren

Ich erstelle 2 Spalten auf einem Blatt, auf dem die beiden Begriffe die Spaltenüberschriften sind. Anschließend beginne ich mit dem ersten Wort und schreibe alle Begriffe auf, die ich mit dem Wort assoziiere. Bin ich zufrieden mache ich das gleiche mit dem zweiten Wort.

TornadoImpfstoff
WetterCorona
SturmCovid-19
HurrikaneLockdown
TrichterAbstand 
 Twisterzu wenig 
Florida Heilung 
Versicherung Antikörper 
Wohnwagen Schutz 
Wind Menschen alter 80 Jahre 
Windgeschwindigkeit Priorisierung 
Wolken Arzt 
dunkel Medizin 
Loch im Tornado mRNA 
Hurrikane Saison Polio 
grau Masern 
ZerstörungImpfausweis 
  Reiseempfehlungen
 Mumps 
 Scharlach 
 Keuchhusten 
 Hepatitis 
 Tetanus 
 

Schritt 3: Bisoziation

Als ich an dem Punkt angekommen bin, wo mir nichts mehr so schnell eingefallen ist oder eher, ich keine Lust mehr hatte, beendete ich die Liste. Der nächste Schritt bestand darin, jedes Wort aus der linken Spalte mit jedem Wort aus der rechten Spalte in Verbindung zu setzen. Hier mal ein paar Beispiele:

– grau & Schutz: graue Uniform der Bundeswehr

– Wind & Arzt: fliegender Arzt nutzt Tornado zum landen

– Florida & zu wenig: zu wenig breite (mir kam in den Sinn, dass Florida nur ein Zipfel ist)

Dabei selektiert man automatisch die Wortpaare aus, die eine einfache assoziative Verbindung haben. Die abstrusen Verknüpfungen, wie der „fliegende Arzt“ geben schonmal Futter für einen eventuellen Witz. Aus dem nichts lassen sich solche Vorstellungen nur schwer erschaffen, aber bisoziative Verbindungen auf diese Weise zuknüpfen, erschaffen zwangsläufig, ich nenne sie mal, erweiterte Ideen. Kreative Schöpfung mit System. Den Jackpot hat man, wenn man zwei Wörter findet bei denen keine Verbindung im Kopf entsteht, denn diese werden, wenn man sie dann doch in Beziehung setzt, von kaum jemanden erwartet. Bei mir waren es die Wort „Hurrikane Saison“ und „Abstand“, die Wörter, die ich sind in Verbindung setzen konnte.

Schritt 4: Bisoziation auswählen und mit „leben füllen“

Jetzt versucht man ein Szenario mit diesen Wörtern zu erschaffen. Die Wörter habe ich noch hin und her, vor und zurück assoziiert. Die Hurrikane-Saison wurde zur Gemüse-Saison und der „Menschen“-Abstand wurde zum Pflanzenabstand beim Sähen. Kreativität ist nie ein steifer Prozess. Und nun das Ergebnis. Es ist jetzt leider kein klassischer Witz geworden, aber eine lustige Frage bzw. zwei, da mir beim Formulieren der ersten Frage eine zweite lustige in den Sinn kam. Und hier das Ergebnis. Achtung jetzt wird es lustig xD:

Ergebnis: „Gelten die 1,5 Meter Abstand auch beim Bepflanzen meines Hochbeetes? Gibt es staatliche Förderung für den nötigen Anbau?“

Den subjektiven Humor und die Bedeutung der Witzpräsentation hatte ich anfangs erwähnt, daher ist es nicht schlimm, wenn nicht jeder gleich vor Lachen vom Stuhl gekippt ist. Wer nicht witzig ist, aber es gerne sein möchte, probiere es aus – es ist der erste Schritt:-).

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